HUeBro - Haushebung in Ueberschwemmungsgebieten am Beispiel des Elbe Dorfes Brockwitz
HUeBro - Haushebung in Ueberschwemmungsgebieten am Beispiel des Elbe Dorfes Brockwitz

AP 6: Gebäudeanalyse

Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR)

Dr. Reinhard Schinke, Jörg Hennersdorf

Das Arbeitspaket analysiert die Baukonstruktion der Gebäude in der Ortslage Brockwitz. Hierfür nutzt das IÖR einen gebäudetypologischen Ansatz, der die Wohn- und Nichtwohnbebauung hinsichtlich ihres Baualters und ihrer Bebauungsart differenziert. Die baulichen Eigenschaften eines Gebäudes bestimmen maßgeblich die Art und den Umfang der Schäden bei einer Überflutung. Gleichzeitig bilden diese Eigenschaften die Grundlage für die Auswahl und Durchführung des Hebungsverfahrens (AP8) sowie für die Bewertung der Maßnahmen zur Schadensminderung (AP9).

Neben dem Gebäudetyp erhob das IÖR zusätzliche Gebäudeattribute wie etwa

  • den Gebäudesubtyp,
  • den Unterkellerungsanteil,
  • die Geländeanbindung (Höhendifferenz zwischen Erdgeschoss- und Geländeniveau),
  • den gegenwärtigen, baulichen Zustand,
  • die Nutzungen im Keller- / Erdgeschoss sowie
  • sonstige Hinweise und Bemerkungen.

Auf diese Weise bestimmten die Bearbeiter den Gebäudetyp für 561 Gebäude und dokumentierten ergänzende Attribute für 174 Objekte auf der Brockwitzer Niederseite. Die Ergebnisse legte das IÖR in einer objekt- bzw. GIS-basierten Datenstruktur ab, so dass ein direkter Zugriff auf die Informationen und die Einbindung der Daten in einem Schadensmodell möglich ist. Dadurch bleibt die hohe räumliche Auflösung der Informationen erhalten, was für eine realitätsnahe Abbildung der monetären Wirkungen für die Hausanhebung eine wesentliche Voraussetzung darstellt.

Überblicksdarstellung für ausgewählte Ergebnisse aus AP 6 im Untersuchungsgebiet an der Niederseite in Brockwitz: Gebäudetypologische Differenzierung (oben), sowie ausgewählte Gebäudeattribute (Unterkellerung (li) und baulicher Zustand (re), unten)

Anhand der Ergebnisse wird die bis heute erhaltene Angerstruktur der Ortslage deutlich. Die überwiegend vor 1870 errichteten ländlichen Wohngebäude prägen bis heute das Untersuchungsgebiet. Dreiseithöfe sind häufig anzutreffen, wobei das Wohnhaus und das Auszugshaus in der Regel giebelständig zum Anger ausgerichtet sind. Die Scheune bildet zumeist den rückwertigen Abschluss der Hofstruktur, jedoch wird das Gebäude heute oftmals gewerblich oder wohnlich genutzt. Der Anger selbst blieb lange unbebaut oder wurde für gemeinschaftliche Einrichtungen genutzt, wie hier durch die Brockwitzer Kirche. Im 20. Jhd. wurde der Anger dann zunehmend bebaut. Eine weitere häufig vorkommender Gebäudetyp sind die nach 1990 errichteten, einzeln stehenden Einfamilienhäuser. In einigen Fällen handelt es sich hier um Ersatzneubauten, die das ursprüngliche Gebäude in Grundriss und baulicher Gestaltung aufnehmen. Grund für die Ersatzneubauten war insbesondere der bauliche Zustand nach den Hochwasserereignissen 2002 oder 2013, die eine Sanierung der Schäden unwirtschaftlich erscheinen ließen.