HUeBro - Haushebung in Ueberschwemmungsgebieten am Beispiel des Elbe Dorfes Brockwitz
HUeBro - Haushebung in Ueberschwemmungsgebieten am Beispiel des Elbe Dorfes Brockwitz

Rückblick: 15 Jahre nach der großen Elbeflut

Olaf Lier, Fachbereichsleiter Ordnungswesen der Stadt Coswig, rückblickend auf das Hochwasserereignis 2002

Nun ist es schon 15 Jahre her, dass die Menschen im Elbtal und insbesondere in Brockwitz begreifen mussten, dass die Elbe ein herrlicher aber zu weilen auch grausamer Fluss ist.

 

Anfang August 2002 war es trocken und heiß. Am 10. August 2002 wurde die Feuerwehr zu einem Großbrand gerufen. Auf dem Gelände des ehemaligen Zellstoffwerkes in Kötitz brannte eine Altholz-Deponie lichterloh. Das Löschwasser wurde teilweise aus der Elbe gefördert. Sie hatte bereits Hochwasser, da es vorher in Tschechien ausgiebig geregnet hatte.

Alle waren froh, als es endlich auch hier regnete.

Der Regen half das Feuer schnell zu löschen. Aber es hörte nicht auf. Erste Meldungen von Überflutungen kamen aus dem Erzgebirge. Der Hauptbahnhof in Dresden wurde überflutet. Die Weisseritz folgte ihrem alten Verlauf zur Elbe. Nicht nur in Weesenstein wurden ganze Häuser weggerissen, auch in Tharandt.

In Coswig überflutete die Lockwitz teilweise das Stadtgebiet. In Kötitz, Brockwitz und Sörnewitz wurden die ersten Keller und schließlich ganze Häuser von der Elbe überflutet.

 

Da verlässliche Aussagen zum Ausmaß der Überflutung fehlten, es gab aus Tschechien täglich ein Fax mit den aktuellen Pegelständen, liefen die Abwehr- und Evakuierungsmaßnahmen nach bestem Wissen und Gewissen - jedoch nicht immer effizient. Begonnene Sandsackwälle mussten aufgegeben werden. Das Wasser stieg zu schnell.

Unsere Feuerwehr war an ihrer Leistungsgrenze. Der Großbrand hatte die Männer und Frauen bereits ausgepowert. Aber keiner setzte sich zur Ruhe, alle packten an, freiwillige Helfer aber auch benachbarte Feuerwehren, selbst aus Ravensburg und Polen, kamen zu Hilfe.

 

Die Sandsäcke wurden mit der Hand gefüllt. Entsprechende Maschinen gab es nicht, ebenso keine geeigneten Großraumsäcke. Jeder schütze sich mit dem, was er hatte.

 

Die Vorsorge war noch nicht so weit. Im Denken der Menschen waren solche Ereignisse wohl irgendwann auch hier mal da. Es gab ja die Hochwassermarken an einzelnen Häusern, die auf die Flut von 1845 hinwiesen. Aber man ging davon aus, dass die Menschheit zum Mond fliegt, der technische Fortschritt technische Lösungen zum Hochwasserschutz bietet. Es gibt ja ausreichend Talsperren.

 

Auch die Bewohner der Niederseite in Brockwitz hatten ihre Häuser, entsprechend den behördlichen Vorgaben, außerhalb des Überschwemmungsgebietes errichtet. Ersatzneubauten wurden auf gleicher Höhe wie das Bestandsgebäude bzw. die Nachbarhäuser gebaut, wegen des Gebotes der Integration in bestehende Bebauung.

 

Abwasserseitig gab es wenig Vorsorge. Es gab kaum Absperrschieber oder Hebeanlagen. Die Folge waren Überflutungen durch das Kanalnetz.

Die Elbe und ihre Nebenflüsse hielten sich nicht an die ingenieurtechnischen Berechnungen und behördlichen Festsetzungen, sie überflutete alles, was sich ihr in den Weg stellte. Die Elbe erreichte am 17.08.2002 ihren höchsten Scheitel. Der Pegel Dresden erfasste 9,40 m, rund siebeneinhalb Meter mehr als normal üblich. Wie ein Zeichen der Erlösung, strahlte die Sonne, als ob nichts gewesen wäre.

 

Durch die großflächige Überschwemmung stieg der Grundwasserstand im Elbtal, so auch in Coswig mit seinen Ortsteilen, dramatisch an. Häuser, die von der Flut verschont wurden, hatten nun wochenlang nasse oder gar geflutete Keller.

 

Nun sind 15 Jahre vergangen. Die folgenden Hochwasser 2006 und 2013 haben die Bevölkerung sensibilisiert. Brockwitz hat eine Wasserwehr. Das Ausräumen der Häuser wurde optimiert. Und dennoch fehlt speziell für die Bewohner der Niederseite ein wirksamer Hochwasserschutz.

 

Die Gebäudehebung, die unser Projekt untersucht, kann möglicherweise Abhilfe schaffen. Ein neues alternatives Verfahren zum klassischen Hochwasserschutzdeich. Unsere Hochschulen arbeiten zielstrebig an brauchbaren Lösungsansätzen. Mögen die ersten hilfreichen Ergebnisse möglichst bald vorliegen – auch wenn ein derartiges Hochwasser hoffentlich nicht wieder kommt.

 

 

Bildquellen: Stadtverwaltung Coswig

 

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